Novitäten

Das Glück ist ein launischer Vogel

Katja Hachenberg

Katja Hachenberg (Dr. phil.)

studierte Germanistik, Sozial­wisenschaften und Philo­sophie an der Universität Siegen und arbeitete als wissen­schaft­liche Mit­arbeiterin an der Universität Kassel, an der sie mit einer Arbeit über Räume in der Literatur promoviert wurde.

Ihr vielfältiges Werk umfasst literarische, literaturkritische und essayistische Schriften.

www.literaturport.de/lexikon/dr-katja-hachenberg/

»In der Geschichte meiner Familie spielt mütterlicher­seits der Name Weber eine große Rolle, und vielleicht ist das einer der Gründe dafür, weshalb das uralte Hand-Werk Weben mich seit jeher fasziniert. Ich liebe die schönen Stoffe, wie ich die schönen Texte, die diffizilen textilen Texturen und ästhe­tischen Gewebe, liebe. Die Meta­phorik des Fadens und des Webens ist für mein Schreiben in beson­derer Weise be­deutsam: Schreiben heißt für mich darauf ver­trauen, dass der Faden der Sprache halten wird bis zum letzten Wort, dass er nicht reißt, der Text nicht ins Leere stürzt. Schreiben ist für mich der schicksal­hafte Faden meines Lebens.« (Katja Hachenberg)

Die Strickerin

Als sie das Knäuel in die Hand nahm, fühlte sie darin alles, was sie an der Insel liebte: die Weite, den Wind, die Ruhe, die Schreie der Vögel, die Freiheit, und ja, auch die Einsamkeit – obschon sie sich nie einsam fühlte, wenn sie dort draußen war, vielmehr ein­geordnet in ein größeres Ganzes, winziges Teilchen eines Gesamt­bildes und genau am rechten Platz.

Seit sie vor Jahren zum ersten Mal auf die Insel gekommen war, den Kopf erhoben und die Augen­lider auf­geschlagen hatte, um den Himmel und die schnell dahin­treibenden Wolken zu betrachten, ihr Rücken sich gestreckt, ihr Herz sich geweitet hatte, war in ihren Körper und in ihre Gedanken etwas ein­gesickert, das seither seine geheimnis­volle Wirkung in jeder Sekunde ent­faltete wie ein Zauber­spruch, wie etwas, das einen von innen heraus und von Grund auf ver­wandelt.

Die Insel.

Und jetzt: das Knäuel.

Sie spürte darin das Haar des Tieres und folgte dem Faden über Zeiten und Räume hinweg dorthin, wo er ent­standen war: auf die Insel, ihre Insel. Der Faden lief über das Meer und die Wellen, über den Strand und die Dünen, sprang über Gras­land, Flüsse, Felder, Wasser­löcher, sprudelnde Quellen hinweg zu einem Fell, das ein tierisches Wesen ein­hüllte, ihm Gestalt und Haut gab, Ver­körperung und Sein garantierte: Dickes, dichtes, wolliges Fell.

Sie drückte das Knäuel in den Händen und fühlte darin die Wärme des Tieres, den feuchten Glanz seiner Augen, seines freund­lichen Blicks. Das war der Ausgangs­punkt.

Buchinformation

Cover »Das Glück ist ein launischer Vogel«

Katja Hachenberg

Das Glück ist ein launischer Vogel

Erzählungen

Klappenbroschur (14 x 20 cm)
154 Seiten
ISBN 978-3-9826283-8-7
LP 22,00 € (D), 22,70 € (A), 28,00 CHF

Das Papier ist ungeduldig – gelassen aber bleibt der Stein

Graffiti und die Geschichten, die sie erzählen

Was macht eine Großstadt aus? Wie fühlt sie sich an? Um die Atmo­sphäre der City Düssel­dorfs zu er­leben, unter­nimmt Christina Müller-Gutowski lange Spazier­gänge. Sie flaniert durch nächt­liche Straßen, Hinter­höfe, Super­märkte, Industrie­brachen, U‑Bahnhöfe. Und sie lässt sich faszi­nieren von der Straßen­kunst: »Kaum ein Gebäude, eine Mauer, eine Sitz­bank, eine Tür ist heut­zutage un­berührt von grafischen Zeichen«, notiert sie, schaut genau hin und sam­melt mit ihrer Kamera Wand­gemälde, flüchtige Skizzen, ge­sprayte Appelle, Per­formances – Graffiti eben. Poli­tische Aus­sagen, Liebes- und Hass­erklärungen, Farb­feuerwerke ziehen die Flanierende in den Bann und evo­zieren ihre Antworten. Mit Gedanken­blitzen und spontanen Sprach­spielen begibt sie sich in einen künst­lerischen Dialog mit Akteuren, die sie nicht kennt – die sich nie sehen lassen, aber den Stadt­raum wesent­lich mit­gestalten.

»Entstanden ist ein Zyklus von 45 Farb­foto­grafien und kor­respon­dierenden Texten. Im Prozess der Über­tragung von der Bild­sprache in die Schrift­sprache löst sich der Text vom opti­schen Eindruck, vaga­bundiert und er­schließt dem Lesenden und Hörenden weitere Denk- und Fantasie­räume«, heißt es im Exposé der Autorin, »die in Sprache über­setzten Foto­grafien lassen Geschichten auf­schimmern, die hinter den Bildern liegen.«

Graffit »Life is short« Graffit »Gute Menschen«
Graffit Bahnfenster Graffit »Atmen?« Graffit Häsin

Buchinformation

Cover »Das Papier ist ungeduldig – gelassen aber bleibt der Stein«

Christina Müller-Gutowski

Das Papier ist ungeduldig –
gelassen aber bleibt der Stein

Lyrische Texte zu Graffiti

Klappenbroschur,
106 Seiten, 45 Farbabbildungen
ISBN 978-3-9826283-5-6
LP 22,00 €

Gefördert durch
Kulturamt Düsseldorf
Joachim Rönneper

Joachim Rönneper

Sammlungsschrank des Staubmuseums

Nobilitierung des Alltaglichen –
die weltweit einzigartige Museumsstaubsammlung

Kuriose Kulturreliquie

»Eine scheinbare Nichtigkeit erfährt nobilitierende Wichtigkeit.«

Im Jahr 1989 gründete der Konzept­künstler Joachim Rönneper sein Staub­museum. 2019 beendete er die kuriose Kollek­tion von 482 verbrieften Staub­proben.

»Die 339. Staub­probe bildet zeitlich betrachtet den Auf­takt der Sammlung. Sie stammt aus dem Museum Galleria Nazionale d’Arte Moderna in Rom, entnommen von der Fensterbank in der 1. Etage, Frühjahr 1984. Während meines längeren Auf­enthaltes in Italien suchte ich nach einem An­denken an die ewige Stadt Rom und wurde fündig – ewiger Staub. Wieder heim­gekehrt, lag die Staub­probe bei mir auf meiner Fenster­bank in einem Brief­umschlag, bis ich den Ein­fall hatte, Museen nach Staub zu fragen: eine künst­lerische Hommage an die Welt der Museen. Die ver­brieften und archi­vierten Museums­stäube lassen den gewöhn­lichen Haus­staub durch humorvolle und philo­sophische Gedanken geradezu ver­blassen.« (Joachim Rönneper)

Nun erschien zu dieser Kol­lektion als Bestands­katalog ein bebildertes Lese­buch »Staub­museum« – ein Gesamt­kunstwerk zwischen künst­lerischer Spuren­sicherung und Ready‑made.

Buchinformation

Cover »Staubmuseum«

Joachim Rönneper

Staubmuseum

Ein Bestandskatalog

Klappenbroschur, 158 Seiten,
172 Farbabbildungen
ISBN 978-3-9826283-1-8
LP 25,00 €

Atelierstaub aus dem Valentin-Musäum Brief Meckel
Willy Förster, StaubArt
Atelierstaub Wulle Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg

Peter Meisenberg hat das Buch am 7. 3. 2025 im Kulturmagazin Mosaik des Senders WDR3 vor­gestellt. Hören Sie hier seine Buch­besprechung:

Herr Heidegger behorcht das Seyn

Wolfgang Marx

Der Autor

Wolfgang Marx (* 1943) studierte Psycho­logie, Philo­sophie und Human­genetik in Kiel und München.

Er war von 1980 bis 1994 Professor für Psycho­logie an der Ludwig Maxi­milians-Univer­sität Müchen und von 1994 bis 2008 Professor für All­gemeine Psycho­logie an der Univer­sität Zürich.

Er veröffentlichte eine Reihe wissen­schaft­licher Bücher zu Themen der Kognitiven Psycho­logie und zahl­reiche Beiträge in Zeit­schriften und Büchern. Seit seiner Emeri­tierung widmet er sich auch litera­rischen Pro­jekten und hat mehrere Romane und Gedicht­bände ver­öffentlicht.

Die Intention meiner Essays

… ist es nicht, neue eigene philo­sophische Ideen zu ent­wickeln. Mir geht es darum, Philo­sophie einem Publikum zugänglich zu machen, das sich mit der oft wenig benutzer­freundlichen Sprache der Original­texte schwer tut. Salopp formu­liert, es geht darum, Philo-so-phie zu erzählen, zu sagen, worum es da geht, und auf Probleme und Wider­sprüche hinzu­weisen.

Das lässt sich litera­risch auf unter­schiedliche Weise tun, in Form von litera­rischen Essays zum Beispiel, aber auch als auto­bio­graphische Erzählung oder in Form von Dialogen, einer Form, die sich gut dazu eignet, bestimmte Positionen heraus­zu­arbeiten. Ich sehe auch diese Versuche nicht außer Zusammen­hang. So geht es etwa in »Die Sache mit dem Sprung« um Themen, die auch schon im Heidegger- und Sartre-Text ver­handelt worden sind, nur dass jetzt ganz andere Per­spektiven ein­genommen werden und ent­sprechend andere Aspekte sichtbar werden.

(Wolfgang Marx, September 2024)

Aus dem Inhalt: Herr Heidegger behorcht das Seyn – Vom Wegwerfen der Leiter – Sartre und die Tröstungen der Freiheit – Frege und sein drittes Reich – Die Deutung einer Deutung – Im Raum der Gründe – Vom Glauben und Nichtglauben – Glauben spielen – Der Schlaf der Vernunft – Der Sinn des Lebens – Die Philosophie in den Zeiten der Wissenschaft – Das Geld anderer Leute – Der Mensch als sozialvergleichendes Wesen – Das Märlein von der unsichtbaren Hand – Ein Loch ist im Eimer – Kritik der Urteilskraft – Die Sache mit dem Sprung

Christoph Pichler hat diesen Band am 5. April 2025 in der Reihe Forum Literatur des Senders Rai Südtirol vor­gestellt. Hören Sie hier seine Buch­besprechung:

Lesen Sie auch die Rezension des Buches durch Stefan Diebitz im Kulturportal kultur-port.de (22. April 2025).

Buchinformation

Cover »Herr Heidegger behorcht das Seyn«

Wolfgang Marx

Herr Heidegger behorcht
das Seyn

Essays

Harcover, 124 Seiten
ISBN 978-3-9826283-2-5
LP 25,00 €